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Qualität hat seinen Preis: der, die oder das?

Quelle: Alpen : Der Herr der Berge

Heute auf Zeit online gefunden: ein Beispiel für den relativ häufig unterlaufenden Lapsus der Wahl des falschen Artikels der, die oder das.

Die Landschaft – der Betrachter

Wenn dir Fehler dieser Art begegnen, kannst du darauf wetten, dass keine Korrektur stattgefunden hat – es ist ein typischer Autorenfehler. Damit meine ich: Es drängt den Schreiber vorwärts, und er verdrängt das Geschlecht des zuletzt genannten Substantivs (Hauptworts). Das Possessivpronomen (wem oder zu wem die Sache, das Hauptwort, gehört) wählt er nach dem Geschlecht des Hauptworts, das nun folgt – und das oft genug ‚räumlich‘ näher dran ist am Possessivpronomen als am zugehörigen Hauptwort. Kompliziert? Gar nicht – höchstens kompliziert erklärt und deshalb höchste Zeit fürs Beispiel. Zuvor eine Bitte.

Lies bitte erst einmal die Einleitung des Zeit-Artikels (oder lies die Einleitung am Ende dieses Artikels als Screenshot, falls der Fehler ausgebessert wurde). Findest du die falsche Schreibweise? Falls nicht, mach dir keine Gedanken. Er ist unauffällig und vielleicht deshalb rasch überlesen.

Ich nenne das, wie gesagt, einen Autorenfehler. Er ist ein schöner Beleg dafür, warum das Vier-Augen-Prinzip sinnvoll ist (Autor + Korrektor)

Der Screenshot

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PS: Nur für den Fall, dass mal die Frage auftauchen sollte, ob sie ernst gemeint sei, die Überschrift, ob ich einen Fehler produziert habe oder ob es sich dabei um Ironie handelt: Natürlich muss es in der Überschrift heißen: „Qualität hat ihren Preis!“ (Danke an Claudia Lampert für ihren Hinweis auf die Möglichkeit des Missverständnisses!)

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Genau das ist mir kürzlich passiert. Einen Pressetext habe ich geschrieben über die bevorstehende Weihnachtsfeier eines Tierschutzvereins. Darin war zu lesen „An diesem Tag gibt es außerdem die Gelegenheit, die Tierherberge und seine Bewohner zu besuchen“. Als ich den Fehler bemerkt habe, war das Ding schon draußen.

    Jetzt kommt’s: Sechs Redaktionen haben den Text übernommen – und mit ihm den Fehler. Nicht eine hat ihn bemerkt oder korrigiert.

    Wobei wir Bayern allerdings mit einem Handicap ins Rennen gehen, das uns mindestens eine Teilschuld von den Schultern nehmen sollte: Wir nehmen’s nicht so genau mit derlei Feinheiten. Und sagen schon mal Dinge wie „der Maria sein Hund ist gestern angefahren worden“.

    Apropos Tag der offenen Tür. Mich juckt es jedes Mal, den Tag der Offenen Tür über die Regel hinweg groß zu schreiben. Die Tür kann ja, insbesondere bei Sauwetter, bei einem Tag der Offenen Tür durchaus geschlossen sein. Für mich ist das ein stehender Begriff, wie eben der Erste Bürgermeister (der ja nicht der erste Bürgermeister dieser Stadt ist, sondern vielleicht schon der zweiunddreißigste).

    Hallo JoFl,

    ich habe heute ebenso zufällig wie gewinnbringend in Deinen Seiten gestöbert und dann bemerkt, dass diese Seite von Dir ist. Respekt! Gefällt mir.

    Schöne Grüße,

    Paul

  2. Lieber Paul,

    Lob aus deinem Mund („… habe … gewinnbringend in Deinen Seiten gestöbert …“), da geht mein Herz auf. Ich freue und bedanke mich.

    Zum Handicap: Ich weiß genau, was du meinst, bin ich doch verheiratet mit einer Frau, die Fuß sagt, wenn sie Bein meint – ich bin verheiratet mit einer Bayerin.

    Die Offene Tür: Mach es doch, wie du willst. Jeder wird verstehen, was du meinst, und das ist es, was entscheidend ist – nicht das, was Duden et. al. meinen.

    Einen schönen Advent, Paul!

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