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Verrückte Welt. Ein Bericht von der Dult

Ich zitiere die PNP:

„Um 21 Uhr ertappte eine Dultstreife einen 25-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis beim Rauchen eines Joints.

Bei einem 22-jährigen aus dem Landkreis Freyung-Grafenau haben Beamte nach einer Durchsuchung ebenfalls ein Joint gefunden. Gegen beide Männer wurde ein Strafverfahren nach dem Betäubungsmittelgesetz eingeleitet.“

Schaun wir mal, was da passiert ist. Um ca. 21 Uhr sitzen im Dultstadl gut und gern 3.500 Bierdimpfel. In der Stockbauer-Hüttn, im Andorfer Weißbiergarten, in der Bauer-Hüttn, in Karlstetters Festzelt, in Szabos Dultschänke und schließlich an der Faun-Truck-Bar hauen sich weitere Zigtausende die Promille in den Kopf. Soweit alles bekannt und vertraut inklusive der Rituale und Resultate: Die Polizei berichtet ausschließlich von besoffenen, ok, vornehm ausgedrückt: von alkoholisierten Übeltätern, nicht aber (nie?) von bekifften.

Das soll einer verstehen! Hasch gibt’s auf Rezept – Bier nicht. Dafür ist Biertrinken erlaubt, Haschrauchen aber nicht.

Sprachkritik

  • „Einen 25-Jähriger“ ist vermutlich bloß ein Tippfehler.
  • Warum der „22-jährige“ kleingeschrieben wird, liegt vielleicht an der angestrebten Trefferquote von 50 Prozent. 25-Jähriger bzw. 22-jähriger … einmal wird’s schon richtig sein.
  • „Joint“ ist männlich (der Joint), deshalb muss es heißen „… ebenfalls einen Joint gefunden.“ 

Sechs Zeilen Zeitungsmeldung, drei Fehler.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Flörsch, lieber Johannes,

    „Beamte (haben) nach einer Durchsuchung ebenfalls ein Joint gefunden“ ist im Bayerischen, insbesondere dem Niederbayerischen, lediglich die etwas schludrige Übersetzung von „bei dem ham’s a an Joint g’funden“ ins Hochdeutsche. Somit irgendwie fast richtig. Das ist für jemanden für Dich, der aus dem Gäu um Limburg stammt, nicht einfach nachzuvollziehen, das gebe ich zu.

    Natürlich ist der Joint männlich, somit also „der Joint“. Dennoch ist es nicht korrekt, politisch gesehen. Fehlt nicht der obligatorische, wenn auch sperrige „in“-Zusatz? Also, es wurde „ein Joint oder eine Jointin“ gefunden? Diese Frage stellt sich bestimmt nicht nur den „lieben Trierern und Triererinnen“. So begrüßte ein Politiker kürzlich die bemitleidenswerten Einwohner von Trier. Zumindest kann dieser Mann weder betrunken noch bekifft gewesen sein. Das auszusprechen schafft man auch im nüchternen Zustand allenfalls mit Mühe.

    Und weil wir gerade bei Fehlern und bei den Bayern sind. Kein Tag, ohne dass nicht irgendjemand aus der Politik, ein Politiker also, danach ruft, Asylbewerber müssten dringend Deutschkurse belegen. Anderenfalls könne doch aus diesen Menschen niemals etwas werden. Das stimmt so nicht. Heute hörte ich einen bayerischen Politiker in einem Radiointerview sagen, diese oder jene Sache müsse „bestmöglichst“ erledigt werden. Schleunigst ab in den Deutschunterricht für Deutsche, empfehle ich. Übrigens ist sogar aus diesem Redner etwas geworden. Er ist Bundesminister im aktuellen Kabinett.

  2. Werter Freund und Bilderfänger,

    ich gebe zu: Es war nicht leicht nachzuvollziehen, gefunden hab’ ich’s aber trotzdem. Falls Sie die Güte besäßen und den Artikel bis beinahe zu Ende läsen, fiele Ihnen vielleicht der Passus ins Bewusstsein unter der Zwischenüberschrift Sprachkritik.

    Next point. Die Menschen aus Trier kommen in der Anrede vergleichsweise gut weg. Erinnerlich ist sicherlich noch der grandiose, niemals mehr erreichte, geschweige denn übertroffene Sprachwitz eines ehemaligen Bundespräsidenten, sein Name war Lübke – Dr. Lübke, um genau zu sein, und um die Pedanterie auf die Nadelspitze zu hetzen: Dr. h. c., was, wie wir alle wissen, die freundliche Umschreibung ist für doctor humoris causa, also nur spaßeshalber. Zurück zur Anekdote. „Sehr geehrte Damen und Herren“, hub Dr. Lübke an, nachdem er afrikanischen Boden betreten hatte, stockte, weil ihm möglicherweise bewusst geworden war, jemanden vergessen zu haben, und so fuhr er fort (im ganzen Satz): „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!“

    Last point. Dass aus jemandem etwas wird, der nicht geradeaus sprechen kann, ist Alltag. Leider bestätigt sich darin auch der Umkehrschluss: dass, wer sprechen kann, gut und richtig obendrein, damit rechnen muss, dass nichts aus ihm wird. Werfen Sie nur einen Blick auf uns …

    Vielen Dank für deine Gedanken, Paul!

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