Die ersten Seiten entscheiden über Lesen oder Weglegen. Oft beginnt ein Manuskript zu früh: mit Routine statt Konflikt. Dieser Beitrag zeigt dir das häufigste Warnsignal, erklärt bessere Einstiege und hilft dir, deine Geschichte genau dort beginnen zu lassen, wo sie trägt.
Warum viele Manuskripte zu früh beginnen – und wie du dort einsteigst, wo deine Geschichte wirklich anfängt
Die zarte Chance, gelesen zu werden
Auf den ersten Seiten (manche sagen »zehn«, andere sind strenger: nach einer Seite schon) zeigt sich, ob ein Text erzählerisch trägt oder noch sucht, was er eigentlich erzählen will. Leser, Agenten und Lektoren entscheiden hier – manchmal nach wenigen Absätzen.
Das hat wenig mit »Talent« zu tun. Entscheidend ist, ob du verstehst, wo eine Geschichte beginnen muss. Wer typische Fehlstarts erkennt und vermeidet, verschafft seinem Manuskript überhaupt erst eine Chance, gelesen zu werden.
Warnsignal: Die Geschichte beginnt zu früh
Woran du es erkennst
Ein klassischer Fehlstart liegt vor, wenn der Text einsetzt, bevor die eigentliche Geschichte beginnt. Typische Anzeichen:
- Die Hauptfigur wacht auf und erledigt ihre Morgenroutine
- Ein erklärender Prolog fasst Vorgeschichte oder Weltenbau zusammen
- Setting, Wetter oder Umgebung werden ausführlich beschrieben, ohne dass etwas geschieht
- Die Figur ist auf dem Weg zur eigentlichen Handlung
- Innere Monologe erklären Lebensumstände, statt sie zu zeigen
In solchen Anfängen wärmt sich der Text auf oder ein unkonzentrierter Autor, einer, der noch nicht bei der Sache ist, sprich: beim Leser.
Für Lesende passiert noch nichts Relevantes. Es gibt Alltag, aber keinen Konflikt.
Beispiel: Routine statt Spannung
Ein Thriller beginnt damit, dass Sarah aufwacht, den Wecker ausschaltet, sich im Spiegel betrachtet und über ihren stressigen Job nachdenkt. Der Text begleitet sie beim Anziehen, Kaffeekochen und auf dem Weg zur Arbeit.
Erst ganz am Ende wird angedeutet, dass »dieser Tag alles verändern« wird. Bis dahin herrscht Normalzustand. Wir lernen Sarah kennen, aber die Geschichte beginnt noch nicht.
Das kann man mögen, man findet vielleicht sogar (vermeintlich) gute Argumente für solch einen Einstieg; Tatsache aber bleibt: Spannend ist das nicht, weswegen sich der Autor folgende Fragen beantworten muss:
Schreibe ich hier tatsächlich für die Geschichte notwendige Informationen? Was daran ist unabdingbar?
Diagnose: Beginnt dein Text am falschen Ort?
Und weiter, beantworte dir ehrlich diese Fragen:
- Enthält der Einstieg Handlung oder vor allem Beschreibung?
- Wäre der Text verständlich, wenn die erste Seite fehlt?
- Passiert innerhalb der ersten Seiten eine echte Veränderung?
- Zeigst du erst das normale Leben – statt direkt die Störung?
- Ist klar, warum genau dieser Moment anders ist als alle anderen?
Wenn »Routine« oder »Vorbereitung« überwiegen, startest du sehr wahrscheinlich zu früh.
Und nun die Lösungen fürs Problem
Problembenennung ist das eine – der Lektor aber sollte auch Lösungen anbieten. Hier, in Teil II, kommen sie.
Fotocredits
Foto von Priscilla Du Preez 🇨🇦, sie hat es auf Unsplash kostenlos zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank, Priscilla!
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