In Teil I zum sich dahin schleppenden Romananfang hast du die wesentlichen, die häufigsten Schwächen kennengelernt, die einem Autor unterlaufen. Hier nun einige Tipps, wie du sie vermeidest bzw. ausbügelst.
Die Lösung: Einstieg bei der Veränderung
Erzählerisch gilt ein einfaches Prinzip: Beginne dort, wo sich etwas ändert.
Nicht der Alltag ist interessant, sondern der Moment, in dem er kippt. Ein Ereignis, eine Entscheidung, ein Irritationsmoment – etwas, das Fragen erzeugt und Folgen haben muss (siehe auch »Tschechows Gewehr«).
Das gleiche Beispiel, richtig begonnen
Statt Sarahs Morgenroutine liegt zu Beginn ein Paket auf ihrem Schreibtisch. Kein Absender. Nur ihre Büronummer.
Ihr Zögern zeigt, dass etwas nicht stimmt. Im Inneren: ein aktuelles Foto von ihr selbst, aufgenommen am Abend zuvor, eine Drohung auf der Rückseite.
Die Geschichte beginnt sofort. Fragen entstehen. Spannung trägt die Szene. Sarah wird durch ihre Reaktion erfahrbar – nicht durch erklärende Passagen.
Was sich strukturell verbessert
- Konflikt steht vor Routine
- Charakterisierung erfolgt durch Handlung
- Fragen treiben den Text voran
- Hintergrund bleibt präsent, aber dosiert
- Spannung entsteht auf der ersten Seite
Genre-Spezifika: typische Fehlstarts vermeiden
Fantasy und Science-Fiction
Zu früh: Weltgeschichte, Magiesysteme, Prophezeiungen
Besser: Eine Figur steckt konkret in einem Problem – der Weltenbau ergibt sich aus der Szene
Liebesroman
Zu früh: Dating-Vergangenheit, Liebesfrust, Selbstbeschreibung
Besser: Eine aktuelle Situation, die direkt zur Liebesdynamik führt
Memoiren, Biografien
Zu früh: Chronologischer Lebenslauf
Besser: Ein verdichteter Moment, der die zentrale Veränderung zeigt
Checkliste für deine ersten Seiten
Streiche testweise die erste Seite
Markiere den ersten echten Wendepunkt
Zähle Routine-Absätze vor dem Konflikt
Formuliere: »Heute ist anders, weil …«
Prüfe, welche Informationen szenisch lösbar sind
Beginnt dein Text vor allem mit Vorlauf, lohnt sich die radikale Kürzung. Zieh die Geschichte dorthin, wo sie beginnt: bei der Veränderung.
Fotocredits
Foto von Kenny Eliason, er hat es auf Unsplash kostenlos zur Verfügung gestellt.
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