In dieser Serie beschreibe ich meinen Werdegang vom Mensch in der zweiten Reihe ins (hopefully) Rampenlicht. Als Lektor wechsle ich die Seiten, ich werde Autor und dokumentiere die Arbeitsschritte, Hürden und Aufgaben meiner Buchprojekte. Alle bisherigen Etappen findest du in der Kategorie »Selfpublishing-Tagebuch«; Link am Ende dieses Beitrags.
Johannes Flörsch Tweet
Entweder aus sich heraus oder gar nicht
Mit dem Löwe-Aszendenten wurde mir die denkbar schlechteste Voraussetzung zur Selbstmotivation in die Wiege gelegt: Der Löwe ist faul!
Gott sei Dank, mein Sternzeichen Steinbock gleicht das aus – es kommt jetzt im Alter erst richtig zur Geltung, die Sonne tritt in die Sonne. So viel zum Thema Rampenlicht, zurück zur Selbstmotivation.
Affirmationen und der ganze andere Scheiß
Mir fehlt der Zugang zu den marktüblichen Rezepturen für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben. Feenstaub und Zauberspruch, das funktioniert nur im Märchen, sage ich mir, aber mit dieser rational klingenden Formel allein ist nicht beschrieben, warum mich die Verheißungen kalt lassen, ja sogar eher abschrecken.
Ich gehöre zum Typ »Das Glück liegt in dir selbst verborgen, leg also los, Mensch, und schürfe!«
Um eine lange Geschichte abzukürzen: Es kam der Punkt in meinem Leben, da hatte sich auch diese Affirmation abgenutzt, hatte ihr Recht verloren, mir einzureden, alles habe seine Zeit … und ich vor allem, ich hätte ebenfalls Zeit.
Heute, im Alter, wandelt sich die Perspektive. Ich bin in der Zielgeraden, und wenn ich das recht in Erinnerung habe, kann sich noch Zentimeter vorm Zielband ein Lauf entscheiden.
Jetzt geht’s in meinem Fall natürlich nicht um Sieg oder zweiten Platz. Was mir wichtig sein muss im allerletzten Moment ist ein Fazit: »Habe ich mich bemüht?« Da fällt die Bilanz gemischt aus.
Timetable und Stundenplan. Hilfe durch die KI
Ich wollte hier übers Backend sprechen. Über das, was das Publikum nicht sieht, wenn es ein Buch liest. Über den Schweiß und die Tränen, über den Zorn, die Ungeduld, die furchtbaren Selbstzweifel (die vielleicht auch fruchtbar sind), bevor das Wort »Ende« unters Manuskript gequetscht wird.
ChatGPT, mein Organisator
Wenn du einen Berg erklimmen willst, packst du einen Rucksack. Was nimmst du mit? Was muss, was kann mit auf die Wanderschaft? Fragen die am Berg über Wohl und Wehe entscheiden. ChatGPT zeigt sich sokratisch, Hebammenkunst.
»Was«, wollte ich wissen, »muss in meinen Rucksack?«
»Wie heißt der Berg?«, gab die KI zurück.
»Ein neues Leben.« Zugegeben, etwas dick aufgetragen. ChatGPT lächelte und empfahl das Zwiebelprinzip. Ich stimmte zu.
Am Ende eines Nachmittags voller launiger Vorschläge standen drei Dinge fest:
- Priorisierung ist was Feines. Wenn der Brief heute zur Post muss, kannst du nicht bis morgen warten.
- »Ich habe keine Träume; ich habe Ziele.« Sagt Harvey Specter, Staranwalt in der TV-Serie »Suits«. Wir legen Ziele fest.
- »Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt.« Wieder so eine dieser kribbelig machenden Affirmationen. Kein Mensch spricht über den zweiten und all die anderen Schritte, die gegangen werden müssen, bevor du dich ins Gipfelbuch einträgst.
Meine Lösungen
Für den ersten und den zweiten Schritt, den dritten usw. habe ich jetzt einen Stundenplan. Ich habe die Einheiten auf eine Seniorendoppelstunde begrenzt, nach einer Stunde ist Pause.
Die Priorisierung hat die Monate im Blick: Was erreiche ich wann, wenn ich den Stundenplan einhalte?
Und was sind deine Ziel, lieber Autor? Ganz einfach. Am Schluss möchte ich sagen dürfen: »Er hat sich bemüht.« Nicht in diesem herablassenden Arbeitszeugnis-Slang, eher so, wie’s in der Bibel steht:
Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist’s Mühe und Arbeit gewesen.
Psalm 90, Vers 10 Tweet
Back to the roots – zurück auf die Schulbank
Und so sitze ich in einer späten Phase meines Lebens, ich bin siebzig, wieder auf der Schulbank. Mit ein paar mehr Stunden als früher, aber mit dem – ehrlich – berauschenden Gefühl: Ich kann das, ich schaff’ das!
Mehr kann ich derzeit nicht verlangen.
🎵 Musik des Tages
Ich schwöre: Ich mag die Musik dieser Sängerinnen, obwohl sie saugut aussehen.
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Hier geht es zu den bisherigen Tagebucheinträgen.
Da hier die ganze Zeit von Astrologie und Horoskopen die Rede ist: Hier findest du die Jahreshoroskope 2026, die ich für die Silvesterausgabe des Oberbayerischen Volksblattes geschrieben habe. Auch deines!
Und falls du jemanden kennst, den mein Arbeitsprozess interessieren könnte, gib ihm Bescheid. Per Mail oder über einen der Buttons am Ende des Artikels.
Bis bald!