Ein Lektor muss nicht alles wissen
Ich will gar nicht so tun, als ob ich alles wüsste, auch wenn meine Rätsel diesen Eindruck hinterlassen mögen. Nein, etwas anderes ist für die Qualität des Lektorats bedeutsam: die Bereitschaft des Lektors, alles anzuzweifeln, was er zu lesen bekommt.
Näheres dazu in einem der Artikel aus der Rätselreihe »Darauf achtet der Lektor«.
Rückblick auf Rätsel Nummer 10
In seinem Buch »Das Nachthaus« schreibt Jo Nesbø, der finnische Meisterautor, einen Satz, der falsch ist.
Welcher Satz ist das, wollte ich in Rätsel Nummer 10 von euch wissen ▶️.
Niemand hat die richtige Antwort gewusst, aber das macht nichts (deshalb verlose ich ja grundsätzlich unter allen, die teilnehmen).
Was der Autor schrieb – was das Lektorat übersah
Der falsche Satz besteht aus zwei Sätzen, Teil eins lautet:
»Hier kann unmöglich jemand wohnen«, sagte Dale und drückte zwei der vergilbten Tasten nach unten.
Mit diesem Satz formuliert Nesbø den Auftakt zum Fehler: Dale drückt auf dem Klavier zwei(!) Tasten nach unten. (Wohin auch sonst, mag man fragen, wenn man pingelig sein wollte.) Und jetzt kommt er, der Fehler. Nesbø schreibt:
Auf seine Stimme und den verstimmten, falschen Akkord folgte ein Echo, als wären wir in einer Höhle.
Der Fehler
Ein Akkord besteht aus mindestens drei Tönen.
Dale aber hat nur zwei Tasten gedrückt.
Zwei Töne sind kein Akkord – zwei Töne bezeichnet man als Intervall! Wenn man sie nacheinander spielt, nennt man es »melodisches Intervall«; erklingen beide Töne gleichzeitig, heißen sie »harmonisches Intervall«.
Fun Fact: In jeder Biografie, in jedem Klappentext und selbst auf Wikipedia wird ▶️ Jo Nesbø auch als Musiker erwähnt. Er ist Sänger, Gitarrist und Songwriter der norwegischen Pop-Rock-Band Di Derre. Nesbø hätte es also besser wissen, ja: müssen.
Gewonnen hat
Das war’s, kurz und knapp.
Die Gewinnerin weiß Bescheid, sie hat sich für mein Buch entschieden, ▶️ »Unnützes Wissen zum Orgasmus«.
Viel Spaß damit!
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Fotocredits
Für das Titelbild suchte ich nach einem Hintergrund, der serientauglich ist; ich habe ihn bei Pawel Czerwinski gefunden. Pawel hat ihn auf Unsplash kostenlos zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank, Pawel!