Aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht – Serie über den Prozess vom Lektor zum Autor. Ich dokumentiere Arbeitsschritte, Hürden und Aufgaben meiner Buchprojekte. Die bisherigen Etappen findest du in der Kategorie »Selfpublishing-Tagebuch«, den Link dazu am Ende dieses Beitrags.
Johannes Flörsch Tweet
Ein Wochenende mit dem Sprachpapst
Kurz vor den Nullerjahren arbeitete ich als Texter in einer Passauer Agentur.
Dort herrschte nur bedingt schönes Wetter, für eine Sache aber bin ich dankbar: Der Inhaber bezahlte mir das Wochenendseminar bei Wolf Schneider!
Ihr wisst schon: Wolf Schneider, der »Sprachpapst« (1925 bis 2022) – mein Gott, was habe ich ihn geschätzt!
Alles, was er an diesen drei Tagen im Berliner Adlon von sich gab, findet ihr in einem seiner Bücher, das muss ich nicht wiederholen, nicht mal im Ansatz. Deshalb heute nur jenen Satz, mit dem er das Wochenende einleitete:
»Ich bin über 70 und fitter als die meisten von euch!«
Und ein bisschen, wirklich nur ein kleines bisschen, geht es mir heute ähnlich wie damals Wolf Schneider.
Achtet mir das Boulevard nicht zu gering!
Auf die Agentur folgte die Redaktion. Auftritt Rudolf Kollböck.
2001, die Türme standen noch, betrat ich die Redaktion der Astrowoche. Astrologie war mir nicht mehr als das, was, Glückskeksen gleich, auf Zuckerwürfeln geboten wurde: Schwachsinn zum Schmunzeln.
Das änderte sich rasch. Erntshaftigkeit bestimmte den Alltag, allen voran der Chefredakteur. Und nachdem mein Intermezzo bei der Astrowoche beendet war, kreuzten sich unsere Wege immer wieder einmal.
Was hat das mit der Dokumentation eines Schreibprozesses zu tun?
Ganz zu Recht runzelt Lisa gestern beim Schreibstammtisch die Stirn: Sie vermisse, sagt sie, mehr »Insides«, also Erzählungen, Berichte aus dem Herzen der Produktionsstätte. Ich vermute (ich unterstelle), sie ist wirklich neugierig, mehr zu erfahren. Sollst du haben, Lisa … nur gehören Dinge wie die Schneider-Reminszenz oder das Namedropping Kollböck tatsächlich zum Kern.
Ich wäre heute niemals dort, wo ich bin
Wo das ist, dieses »dort«, diese »Ortsbeschreibung« (Verortung sagt der Soziologe) gehören:
Glasklare Bewusstheit um das, was Sprache kann und soll
Organisation eines Redaktionsablaufs
Die Leser im Blick. Einzig sie.
Das ist in den letzten Tagen passiert
Very tricky:
Die Leserin meines Buches Cosmic Self Care (CSC) muss ihren Aszendenten kennen und ihr Medium Coeli; ohne dieses Wissen bleibt CSC für die nutzlos. Ich muss ihr also helfen – ich stoße an Grenzen.
Eine Tabelle, aus der sie diese Daten ablesen kann, ist der erste Weg. Schmerzlich dabei: Die Leserin muss eine Unschärfe akzeptieren. AC und MC sind in Bewegung – eine Tabelle aber kann nur Statik abbilden.
Zweitens
Die Sonnenzeichen-Texte mussten überarbeitet werden, und zwar grundlegend, nicht nur »lektoriell«.
Das hat einiges an Zeit gebraucht, aber jetzt bin ich’s zufrieden. Auch hier natürlich an meiner Seite: ChatGPT.
Zitat des Tages
»Ich bin über 70 und fitter als die meisten von euch!«
Wolf Schneider Tweet
🎵 Musik des Tages
🎵 Musik des Tages: The Swingle Singers Piazzolla »Libertango«.
Die Aufnahme wurde vor fünfzehn Jahren auf YouTube hochgeladen; damals war KI ein Thema bloß für Drehbuchautoren. Umso erstaunlicher der Vorspanntext des Videos:
»No instruments were used in this film. All sounds werde created by the human voice.«
Übersetzt: Sind alles menschliche Stimmen, was du hörst! Viel Spaß!
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Hier geht es zu den bisherigen Tagebucheinträgen.
Da hier die ganze Zeit von Astrologie und Horoskopen die Rede ist: Hier findest du die Jahreshoroskope 2026, die ich für die Silvesterausgabe des Oberbayerischen Volksblattes geschrieben habe. Auch deines!
Und falls du jemanden kennst, den mein Arbeitsprozess interessieren könnte, gib ihm Bescheid. Per Mail oder über einen der Buttons am Ende des Artikels.
Herzlichen Dank und bis bald!