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Höhergestellte höher gestellt

Rechtschreibung ist, anders lautenden Gerüchten zum Trotz, sehr wohl Wunschkonzert: Duden wünscht dieses – Autoren wünschen jenes. So manches mal schlagen noch die Lektoren auf die Pauke (von den Triangeln der Korrektoren ganz zu schweigen), und schließlich rührt ein netter weißhaariger Herr aus der Nachbarschaft die Kessel, ein Lehrer a. D., was in diesem Fall heißt: Pädagoge für a.kkurates D.eutsch. So weit, so schön.

Nun fragt Isabelle R. in einer Facebook-Fachgruppe nach der korrekten Schreibweise von „höhergestellt“. In ihr sträubt sich alles gegen die von Duden gewünschte (empfohlene!) Version „höher gestellt“, und ich kann lebhaft nachempfinden, warum sie verunsichert ist.

Wieder einmal ignoriert die Duden-Redaktion den Unterschied zwischen übertragener Bedeutung und physischer Präsenz. (Und fast bin ich geneigt, mich zu fragen, welchem Regelwerk die Damen und Herren dort folgen. Gibt vielleicht nur ein Chefredakteur den Takt an? Um es kurz zu machen: Ich weiß es nicht.)

Zurück zum Olympischen, zum Höher, Weiter, Tiefer

Der eben zitierte Chefredakteur wäre, wenn ich denn so blöde wäre, einen Job in Mannheim anzunehmen, mein Vorgesetzter und in diesem Fall mir gegenüber höhergestellt. (Zur Ehrenrettung: Ich finde, Mannheim ist eine sehr schöne Stadt und einer Entdeckung wert. Nur mit einem Job in der Duden-Redaktion wäre ich wahrscheinlich überfordert: emotional und natürlich auch fachlich. Ich hab’ was gegen Pedanterie und befürchte, die braucht’s, wenn man um 9 Uhr die Stechuhr in der Dudenstraße 6 drückt.

((Aus Ermangelung eines eindeutigen Zeichens für ein gedankliches Apropos, wähle ich mal die Doppelklammer für das, was ich also anfügen möchte: Lieber Kolleginnen und Kollegen von der Duden-Redaktion – das sollte keine Beleidigung sein. Apropos zu Ende, Doppelklammer zu.)) Klammer zu.)

Er, der Chefredakteur, wäre also höhergestellt – jemand, der mir sagen könnte, welche Kleidung ich bei 35° Celsius anziehen müsste, um ein repräsentatives Mitglied zu sein.

Und nun nehmen wir kurz an, dieser fiktive Chefredakteur ginge seinem fiktiven Angestellten Johannes Flörsch mit seiner Kleiderordnung dermaßen an die Nieren, dass der sich zur Wehr setzte, den Chef bei den Schultern packte und wie einen Gartenzwerg auf dem nächstbesten Stuhl positionierte. In diesem Fall und Moment hätte er ihn höher gestellt mit dem Ergebnis, dass der höhergestellte Chef auch höher steht. Und nicht höhersteht, wie er’s vermutlich selbst verlangen würde. Oder verlangen müsste, denn was die Rechtschreibung betrifft, da reklamiert der Duden normative Kraft. (Er, der „Duden“, erfüllt auch noch deskriptive Aufgaben, er durchforstet also die Blei- und Digitalwüsten nach Wörtern und nimmt sie in den Korpus auf, aus dem irgendwann einmal die Empfehlung wird, dieses oder jenes Wort in den allgemeinen und von Duden gesegneten Sprachgebrauch zu entlassen.)

Fazit: Das Majestix-Prinzip
Höhergestellte Persönlichkeiten müssen manchmal höher gestellt werden, damit man sie wahrnimmt.

Abspann zum Abklappern
Und über das biblische Wort von jenen, die erhöht werden, so sich denn erniedrigen, wird demnächst auch mal etwas zu lesen sein. Habe ich mir gerade so überlegt. Da gibt es nämlich etwas, das mich massiv stört an der aufkeimenden Gnadenhaftigkeit der korrekten Geburt (jener in unserem deutschen Lande nämlich). Ach, und jetzt bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob dieser Blog der richtige Ort dafür ist. Andererseits: Spielt das eine Rolle? Wohl kaum. Liest doch eh kein Schwein. Außer mir. Oink, oink.

Eine gute Zeit euch da draußen!

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