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Mein Unwort des Jahres: toll

Wer früher Wahnsinn benennen wollte, bediente sich des Wortes „toll“ – enthalten noch in der Tollkirsche (Atropa belladonna), in der Tollwut. Wahnsinn bewohnt das Tollhaus. Man trieb es zu toll, wenn man über jedes vernünftige Maß hinaus aß oder trank, denn dann kam es toller, was bedeutete: Es wurde schlimmer.

Die ursprüngliche Bedeutung ahnen wir nur noch in der mündlichen Nuancierung: „Ganz toll gemacht!“, sagen wir, wenn das Kind den Haferbrei auf dem Tisch verteilt. Und meinen das Gegenteil.

Toll heute, das ist ein Synonym für Lob. Ein toller Film, ein tolles Buch, ein toller Mensch, eine tolle Mannschaft. Schade, denn für manch einen wäre „toll“ im herkömmlichen Sinne das passende Attribut. Wenn man die ursprüngliche Bedeutung ausdrücken will, hilft ein Kniff: ein tollgewordener Präsident.

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