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Schreiben ist anders, als ihr denkt

Es liegt nahe, das Schreiben ähnlich zu betrachten, ähnlich zu behandeln wie das Lernen eines Instruments. Man setzt um, was der Lehrer sagt, macht (mal mehr, mal weniger intensiv), was er vorschlägt. Ich rate von diesem Vorgehen ab. Und muss mich doch selbst revidieren, dazu gleich mehr.

Wenn du schreiben willst, wenn du das Gefühl hast, Schreiben sei für dich eine Bewegung des Lebens, eine Notwendigkeit, dann hilft keine Übung, dann helfen keine Schreibgruppen*. Dann ist das Einzige, was dich vorwärtsbringt: Herzensbildung.

Du wirst Räume öffnen müssen in dir. Du wirst Expeditionen starten müssen zu den Gründen deiner Seele. Es ist alles da, du musst es nur schürfen. Genau das aber ist die Anstrengung: Du muss dich dir selbst stellen. Es gibt Wege dorthin.

Achte auf deinen Ton

Wenn ein begabtes und interessiertes Kind Geige lernen will, startet ein kluger und wissender Lehrer vom ersten Ton an, den das Kind spielen soll, mit der Herzensbildung. Er zeigt dem Kind, was es tut, was es tun kann. Fürs Schreiben ist das ein schwer umsetzbarer Weg. Und trotzdem ähneln sich die Wege.

Das Problem: Das mit den Räumen, mit der Expedition, das alles ahnst du erst, nachdem du Kilometer an Kuli in dein Tagebuch geschrieben und Tonnen von Schreibratgebern verschlungen hast. Nachdem du wildfremden Menschen und ihren Tipps gelauscht hast, an ihren Lippen gehangen bist. Dann merkst du auf einmal, dass es etwas anderes gibt. 

Schreiben ist die ultimative Form von Aufrichtigkeit, von Ehrlichkeit. Dahin sollst du gehen.

Und während du unterwegs bist, lies, lies, lies. Lies die Bücher aus den Hitparaden, lies die alten Bücher, entdecke die stillen Autoren. Lies, was du gerne schreiben möchtest. Oder andersherum: Schreibe, was du gerne liest.

* Natürlich sind Schreibgruppen großartig. Natürlich sind Coaches wertvoll. Genauer: können großartig und wertvoll sein. Oft aber, vielleicht sogar in den meisten Fällen, verhalten sie sich wie Eltern, die ihrem Kind das Fahrradfahren beibringen: das Immerselbe immer wieder üben. 

Der Weg heißt »Herzensbildung und Lesen«. Der Weg zur Herzensbildung führt über die Versenkung.

Das Beitragsfoto stammt von Ben White auf unsplash.com

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