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Selbstverteidigung. Was ein Autor in einer Rezension zu hören bekam

„Sprachliches Armutszeugnis“, hat ein sich pinkpoison nennender Kommentator seine Rezension überschrieben. Er nimmt darin Stellung zu einem Buch von Ruprecht Frieling, das ich lektoriert habe – und er nimmt den Mund reichlich voll. Da habe ich mir gedacht: „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.“

Pinkpoison schreibt: „Es genügt ein Blick ins Inhaltsverzeichnis, um zu erkennen, dass hier niemand oder ein Stümper lektoriert hat: ES MACHT SINN ist ein übler Anglizismus und genau diese sprachliche Inkompetenz macht dieses Buch durchgängig ungeniessbar.“

Ruprecht Frieling, der Autor wies mich auf diese Kritik hin, und anders als ihn ärgerte mich diese Rezension: Wegen einer durchaus diskussionswürdigen Formulierung („makes sense“ bzw. das deutsche Pendant „etwas macht Sinn“) ein Buch in Bausch und Bogen zu verdammen und dabei mit Invektiven um sich zu schmeißen, das war mir dann doch zu viel. Hier meine Antwort.

Werter Rezensent! Wissen Sie, was ein fünfköpfiger Familienvater ist? Nein? Ist ja auch eine ziemlich seltsame Konstruktion. Man ahnt, was gemeint ist, aber irgendwie on the other side scheint da etwas nicht zu stimmen. Richtig – da stimmt etwas nicht! Es gibt keinen fünfköpfigen Menschen bzw. Vater. Genau darauf aber zielt das Attribut fünfköpfig: auf den zweiten Teil des zusammengesetzten Hauptwortes Familienvater.

Wenden wir uns nun Ihrem Attest sprachliches Armutszeugnis zu. Obwohl, ist eigentlich nicht mehr nötig, oder? Sie haben sicherlich schon verstanden, dass ein sprachliches Zeugnis makes no sense, oder?

Es genügt also ein Blick auf die Überschrift, um zu erkennen, dass hier ein Stümper schreibt, jemand, dessen Rezension dank erwiesener Inkompetenz irrelevant ist. Sie haben sich selbst ad absurdum geführt, und ich danke Ihnen von Herzen.

Zwei Dinge noch zum Abschluss: Das Buch wurde lektoriert und zwar von mir, Johannes Flörsch. Ich bin, man möge es mir verzeihen, Lektor  und nicht der Gott Vater der Sprache. Will sagen: Trotz aller Akribie und Lust, mit der ich meiner Arbeit nachgehe, unterlaufen mir und produziere ich Fehler. Wenn dann irgendeine hergelaufene Pissnelke meint, mich als Stümper bezeichnen zu müssen, noch dazu wegen einer Formulierung, auf die ich gleich zu sprechen komme, so berührt das meine Professionalität – und die zu beurteilen steht niemandem zu, der sprachliches Armutszeugnis zusammenkleistert. In anderen Worten: Runter vom Ross, werter pinkpoison!

Und nun also dieses makes sense, dieses ominöse macht Sinn.

Ja, ja, ja  ist ja gut! Der Sinn macht gar nichts, und auch etwas anderes macht keinen Sinn. Jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem wir machen verstehen. Und ja, ja, ja  es gibt elegantere, von mir aus auch richtigere Formulierungen. Sie wissen aber auch, dass Sie damit einen alten Hut aus dem Keller gezogen haben, nicht wahr? Falls nein, sage ich es Ihnen: Sie haben eine uralte Kamelle aus dem Ofen kriechen lassen – Sie hinken Ihrer Zeit weit hinterher.

Ach, und dann doch noch eines. Niemand oder ein Stümper, schreiben Sie, habe das Buch lektoriert, schon der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeige das.

Mit diesem Satz katapultieren Sie sich direkt nach der Überschrift ein zweites mal ins Aus. Ganz offensichtlich besitzen Sie nicht den Hauch einer Ahnung von der Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektor. Von den Diskussionen, den produktiven Streitereien, dem Ringen um Inhalte, damit everything a sense makes, was dann später zwischen Buchdeckel gepappt werden soll. Und jetzt kommt’s.

Manchmal in diesem Prozess entsteht ein Kompromiss, muss ein Kompromiss gefunden werden. Ein Kompromiss, an dem sich dann Pissnelken abarbeiten wie der Rüde am Bein seines Herrchens.

Um Irrtümern vorzubeugen: Wenn ich Sie persönlich kennte und Ihren Namen wüsste, vielleicht, vielleicht, würde ich Sie persönlich dann als Pissnelke bezeichnen. Da ich das nicht tue (Sie kennen), bezieht sich das Wort selbstverständlich nicht auf Sie, sondern bezeichnet vielmehr meine Einschätzung der intellektuell Bedürftigen, die sabbernd ihre Klimax ins Keyboard tröpfeln lassen. Makes that sense for you?

Ich folge einer Maxime: Ich kommentiere weder meine Arbeit noch die meiner Autoren, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Hier aber ging es um anderes: grober Klotz und Keil.

 Ich halte es bei solchen Formeln mit dem Oberhaupt des Klosters Shangri-La aus dem Roman „Der verlorene Horizont“ von James Hilton: Ich bin mäßig ehrlich, mäßig fleißig und mäßig konsequent.

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