
Und was ich noch viel seltsamer finde: Einige Monate zuvor ist dieses Schild vom entsprechenden Verkaufsmarkt schon einmal benutzt worden.
Rechtschreibung prüfen: Vertrauen ist gut – Kontrolle hilft nicht immer
Ach, und da fällt mir noch eine Geschichte ein, die glaubst du nicht!
Mitte der achtziger Jahre vertrat ich während ihres Urlaubs die festangestellte Lektorin und Korrektorin der Daimler-Benz-Buchreihe „Technik transparent“. In der Agentur wurde auch der Jahresgeschäftsbericht eines deutschen Autoherstellers gesetzt und – korrekturgelesen.
Alles war schön, alles war gut, bis wenige Tage vor der Veröffentlichung des Jahresberichts der Agenturinhaber mit gesenktem Haupt verkündete, die gesamte Druckauflage müsse eingestampft werden. Was war passiert?
Keiner der vielen, vielen kritischen Leser, die mit dem Produkt in Berührung gekommen waren, weder der CEO noch der Aufsichtsrat noch die Agentur noch deren Inhaber noch die Grafiker noch ich, hatten einen Buchstaben vermisst! Und so stand in der Fußzeile des Berichts auf knapp 200 Seiten das Wörtchen „deusch“, wo besser hätte stehen sollen „deutsch“!
PS: Wer selbst solch ein Fundstück wie das hier gezeigte in seiner Fotosammlung besitzt, darf es mir gerne schicken: Ich veröffentliche es gerne!
Viel Spaß – und eine gute Zeit!
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Flörsch!
Heißt es nun eigentlich richtig »Korrektur lesen«, wie es der Duden behauptet oder »korrekturlesen« wie in Ihrem vorzüglichen Beitrag?
😉
Zu viel der Ehre, Herr Geheimrat! 😉
Herzlichen Dank für deine Anfrage, du berührst damit einen wunden Punkt, lieber Rupi! Eines jedoch vorneweg:
Der Duden mag „behaupten“, was er will – verbindlich ist er nicht, genauer: Verbindlich sind seine Ansichten nur für die Schule und die Behörden. Wir Menschen hingegen dürfen schreiben, wie wir wollen, tun uns jedoch selbst einen Gefallen, wenn wir möglichst einheitlichen Linien folgen. Und hier tritt dann doch wieder der Duden auf die Bühne als empfehlendes Regelwerk. Nun zu deiner Frage …
Zeit schinden, Buch lesen, Ruhe bewahren, Auto reparieren, Hunde züchten, Liebe machen – wenn ich etwas an und mit einer Sache tue, trenne ich die Sache von der Tätigkeit. Im Schriftbild: Ich trenne das Substantiv vom Verb. Warum sollte das nicht auch für „Korrektur lesen“ gelten, fragt sich der Duden und sagt: „Gilt analog! Schreibe ‚Korrektur lesen‘!“
Jetzt kommt jofl und pflichtet dem Standpunkt des Duden grundsätzlich bei, aber …!
Ich persönlich empfinde, ich höre das Korrekturlesen als eine so einzigartige, herausragende Tätigkeit, dass ich dafür ein eigenes Verb nutzen oder, wie man heute sagt, „kreieren“ möchte. (Um Missverständnissen vorzubeugen: „einzigartig“ und „herausragend“ verstehe ich nicht als Werturteil, sondern nur als Beschreibung im Sinne von „anders als herkömmliches Lesen“.)
Mir ist bewusst, hier verfahre ich eigenwillig. Vielleicht macht dieser Link zur Getrennt- bzw. Zusammenschreibung ein wenig klarer, was mich dabei leitet.
Herzliche Grüße!
Hallo,
soweit ich weiß, sagt auch der Duden, dass die Schreibweise so gewählt werden sollte, dass keine Missverständnisse entstehen. Werden durch eine andere Schreibweise die Dinge klarer, sollten Sie verwendet werden.
Für mich bedeutet Korrektur lesen, dass ich eine Korrektur lese (also die Überarbeitung!). Wenn ich korrekturlese, prüfe ich einen Text auf Fehler.
Daher schließe ich mich der Meinung von Herrn Flörsch – und seiner „neuen“ Schreibweise – an.
Mit den besten Grüßen!
Liebe Dagmar Hering,
vielen Dank für die Bestätigung meiner Sichtweise. Ich gebe zu, meine Einschätzung ist eine reine Angelegenheit des Bauches – umso beruhigender finde ich es dann, wenn andere das Gefühl teilen. Selbst „gegen“ eine Duden-Empfehlung …
Lieben Gruß!