Nicht immer klar: Akkusativ vs. Nominativ

»Die derzeitige Zuversicht gibt dem Steinbock …« beginnt der Satz auf Seite 9 der Astrowoche, Ausgabe 44/08. Der Satzbau scheint bis hierhin klar: Der Steinbock bekommt etwas – Auftrieb vielleicht, neuen Schwung, Elan. Was auch immer es sein mag: Der Steinbock bekommt es in der Gestalt eines Akkusativobjekts! Außer bei der Astrowoche – denn so geht es weiter: »Die derzeitige Zuversicht gibt dem Steinbock Jupiter.«

Wie bitte? Die Zuversicht gibt dem Steinbock den Jupiter? Was soll das heißen? Wieso tut die Zuversicht das?

Nein, natürlich macht die Zuversicht gar nichts – nur der Redakteur lässt den Satz gegen alle Leseerwartung mit dem Subjekt enden. Das heißt: Erst im allerletzten Wort erfährt die Leserin, wer der Handelnde ist! Bis zu diesem Moment muss die Leserin annehmen, die Zuversicht sei die »Handelnde«!

Wer? Jupiter.
Handlung (Verb)? gibt.
Wem (Dativobjekt)? dem Steinbock.
Wen oder was (Akkusativobjekt)? die Zuversicht!

Der Satz startet mit einem Akkusativobjekt. Übersehen (oder gar nicht gewusst – auf jeden Fall nicht gespürt) hat der Redakteur, dass Akkusativ und Nominativ gleich lauten und deswegen auch nicht zweifelsfrei mitteilen, wen man vor sich hat: das Subjekt des Satzes oder den Akkusativ.

Der Redakteur erschüttert die Erwartung seiner Leserin. Er irritiert sie, hält sie auf, denn niemand versteht den Satz auf Anhieb. Die Leserin muss zurücklesen, und wer weiß, ob sie den Knoten aufkriegt, den ihr der Redakteur geknüpft hat: »Jupiter«, so muss der Satz vernünftigerweise lauten: »Jupiter schenkt dem Steinbock Zuversicht.«

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