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Dampfplaudereien auf Bayern 2

Eins zu Eins – der Talk ist eine Hörfunksendung des Bayerischen Rundfunks; das zugrundeliegende Motto: ein Gast – ein Gastgeber (Interviewer). Die Sendung wird sonntags bis freitags ausgestrahlt, zwischen 16.05 Uhr und 17 Uhr schildern Persönlichkeiten ihre Lebensgeschichte. Einer der Moderatoren ist Stefan Parrisius.

Parrisius’ Gesprächsführung wirkt auf mich eitel, selbstgefällig und Nachdenklichkeit bloß vorgaukelnd. Aber das nur nebenbei, denn kaputt machen kann seine Art in aller Regel nicht, was die Gäste zu berichten wissen. Und so gehört Eins zu Eins zu meinen Lieblingsmomenten im Tag.

So spricht (k)ein Profi

Neulich (na gut; wenn du das hier am, sagen wir mal 2. August 2034 liest, hat es sich mit dem „neulich“, aber ich denke, du weißt, was ich meine. Falls nicht: Die Sendung wurde am 10. November 2014 ausgestrahlt); neulich also sprach Parrisius den folgenden Satz:

„Ist ja auch die Frage, wie das tatsächlich nachgefragt würde, weil ja viele irgendwie tatsächlich möglicherweise diese Vorstellung des Wegdämmerns und man kriegt gar nix mehr mit, eher die Vorstellung vom guten Tod ist als das, was Sie sagen.“ *

Die Gespräche sind meines Wissens unredigiert (vier Musiktitel schenken den Gesprächspartnern Zeit zur Erholung), das macht sie so anspruchsvoll, beinahe zu einem Risiko für die Moderatoren. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um liebenswerte und kluge Routiniers, die durch die Stunde mit Anteilnahme führen und mit offenkundigem Interesse – Achim Sechzig Bogdahn ist so einer. Zurück zu Parrisius.

[su_spoiler title=“Noch einmal zum „Nachschmecken““ style=“fancy“ icon=“plus-circle“]Die Frage, die tatsächlich nachgefragt wird … viele irgendwie tatsächlich möglicherweise … diese Vorstellung des Wegdämmerns und man kriegt gar nix mehr mit.[/su_spoiler]

Darf man schreiben, wie man spricht?

Meine Kinder, als sie noch wirklich Kinder waren, sagten: manchmal immer; Parrisius sagt: irgendwie tatsächlich möglicherweise.

Er verdoppelt, bleibt vage, formuliert widersprüchlich. Er spricht in hohem Tempo, das mag man als Temperament durchgehen lassen; aber er ufert aus, ist redundant, reißt damit Zeit an und lenkt die Aufmerksamkeit auf sich, wo sie doch dem Interviewten gebührt. Was hat das mit dem Schreiben zu tun?

Einfache Antwort: einfach alles!

Wer schreibt, dient. Wer schreibt, dient einem anderen. Dient dem Leser.

Wer schreibt, hat die Pflicht zur Zurückhaltung. Der Autor (und selbstverständlich auch die Autorin, falls du eine bist) ist nur der Bote, der Überbringer einer Geschichte.

Die Frage, die sich, wer schreibt, stets vor Augen halten muss, lautet:

Ist das, was ich schreibe, auch das, was ich sagen will? Geht es nicht doch noch ein Stückchen präziser?

Sie ist der Leitstern, dem jede Autorin, jeder Autor, sobald sie die Textverarbeitung starten, folgen muss!

Wer im Stollen arbeitet, steht nicht im Rampenlicht. Aber manchmal bringt er einen Diamanten nach oben. So wie es seine Aufgabe ist.

* Mit „Sie“ ist Dorothea Mihm gemeint, die Palliativschwester, die sich mit dem Sterben beschäftigt und damit, wie man Menschen zu einem Tod verhelfen kann, der es gut mit den Sterbenden meint.

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