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Frank Schätzing „Breaking News“: Anfängerfehler

Ich bin mit meinem Einwand ungerecht, zugegeben. Doch es war das erste, das mir durch den Kopf ging, als ich vom neuesten Werk des Bestsellerautors Frank Schätzing (Der Schwarm) erfuhr:

Wie kann es nur angehen, dass Schätzing dem Protagonisten in seinem 1000-Seiten-Roman Breaking News den Namen Tom Hagen gibt?

Tom Hagen ist und heißt und wird auf immer heißen: der Anwalt und Ziehsohn des Mafiabosses Don Vito im Epos „Der Pate“ von Mario Puzo.

Lektorat versagt

Dass Schätzing diesen Namen wählte, durfte nicht passieren. Noch weniger durfte ihm das ein Lektor durchgehen lassen.

Wie gesagt: Ich vermute, ich bin ein wenig ungerecht in meinem Urteil – nicht aber in meiner grundsätzlichen Einschätzung!

PS: Dass Schätzing diesen Namen wählt, zeigt zweierlei. Erstens wird er, wie ich vermute, als Schutzbehauptung auffahren, er selbst in seiner Genialität sei auf den Namen Tom Hagen verfallen, ohne das Werk von Puzo zu kennen. Zweitens vermute ich, dass Herr Schätzing den Roman sehr wohl kennt; es war ihm nur schlichtweg egal – FS kommt aus der Werbung. Da wird geklaut, was das Zeugs hält!

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Herr Schätzing gilt in Lektorenkreisen als unberechenbar und selbstherrlich. Der lässt sich nichts sagen, entsprechend lesen sich seine Bücher. Für den Leser ist nach dem »Schwarm« vieles eine Zumutung.

  2. Eines seiner Interviews ist mir in Erinnerung. Schätzing stand am Bug eines Bootes und wurde durch irgendeinen Hafen geschippert, während er Fragen beantwortete. Das und eine durch den Monitor drängende Selbstgefälligkeit sind mir in Erinnerung geblieben – und natürlich Teile seines „Schwarm“. Als ich das zweite Buch von ihm zu lesen begann, kam sofort der Verdacht: Schätzing ist ein reines „One-hit-wonder“.

    Danke für deine Anmerkungen, Rupi!

  3. Abgesehen von Schätzings „Eiegenarten“ – wieso darf eine Figur nicht den selben Namen tragen wie eine Figur aus einem gänzlich anderen Werk? Als abgesehen von echten Namensschöpfungen, die zusagagen „makrenrechtlich“ gerschützt sind.

  4. Herzlichen Dank, Frau Jonack, für Ihren Kommentar!

    Sie haben sicherlich die Diskussion auf Facebook verfolgt, vielleicht kennen Sie deshalb meine dort veröffentlichte Antwort auf eine ähnliche Frage.

    „‚Namensgleichheit‘ … (ist) ein wenig dürftig, um als Entschuldigung zu genügen; sonst könnte man sich ja vergnüglich die eine oder andere Lektüre mit Winnetou (allerdings nicht aus der Feder von Karl May) gönnen oder von einem Protagonisten namens Adrian Leverkühn lesen (allerdings nicht aus der Feder von Thomas Mann) oder einen so hübsch alltäglich daherkommenden Harry Potter kennenlernen – allerdings nicht aus der Feder von Frau Rowling.

    Zusammengefasst: Wenn ich Schätzing heiße und schon den einen oder anderen Euro verdient habe mit meinem Schreiben, darf ich es mir nicht ganz so einfach machen und meinen Protagonisten (also die _Hauptfigur_ meines Romans!) ungeprüft taufen.

    Und wenn ich Lektor wäre für Herrn Schätzing wäre ich von Hause aus misstrauisch.“

    Es geht weniger ums Dürfen (da haben Sie Recht mit Ihrem Hinweis auf die markenrechtlich problematische Situation), sondern ganz wesentlich um die laxe Haltung eines als Starautor apostrophierten Ex-Werbetexters in Sachen Recherche.

    Eine schöne Woche und nochmals danke für den Kommentar!

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