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Pantha rhei

Alles, was ist, endet, hatte er gesagt, mein Harmonielehrer.

Er und ich standen neben der Theke und warteten auf den Donauwalzer, mit dem im Frankfurter Café Größenwahn die letzte Runde eingeläutet wurde. Er: Typ hochintellektuell, Snob, schwul – ich: soeben von meiner Freundin verlassen worden und trostsuchend, trostbedürftig.

Trost suchte und fand ich im Bier, aber ich fand auch ihn, den Harmonielehrer. Die Ironie hätte nicht schärfer ausfallen können und zugleich subtiler. Ich erinnere mich an ihn als einen kleinen schwarzhaariger Wuschelkopf, der uns Konservatoriumszöglingen montags zwischen 10 Uhr und 12 Uhr Satz und Kontrapunkt beibrachte, und der vielleicht nichts anderes wollte als nur zu komponieren. Ausschließlich komponieren und Gott näher sein.

Statt Gottnähe also Unterricht und – Liebesleid eines mittelmäßigen Gitarristen nachts um halb eins in der Eckkneipe. Es wundert mich nicht, dass er zur lapidaren Antwort anhub, alles, was ist … Er hätte auch sagen können: „Leck mich!“ Zu seiner Ehrenrettung: Ich muss ein furchtbarer Mensch gewesen sein. (Heute weiß ich, dass ich das bin, furchtbar; das Wissen darum bremst mich, Gott sei Dank und hopefully, ein wenig ein.)

Ich war voller guter Absichten und voll des Scheiterns. Das alles war damals schon angelegt, und natürlich habe ich so meinen leisen Verdacht, woher das rührt. Der Verdacht erhält Stabilität durch ein paar Kapriolen meines Horoskops; worum es sich dabei handelt, geht euch, wie ich finde, nichts an.

Alles, was ist, endet.
Eine Liebe hatte sich also erschöpft, mein Studium würde bald vorbei sein, auf mich warteten die brillanten Möglichkeiten einer angstmachenden Zukunft. Ich hatte nichts in der Hand.

„Cut“, schreit der Regisseur. „Umbaupause. Neue Szene einrichten!“ Alles, was ist endet.

Dieser Blog ist ein Irrtum. Ich habe vieles falsch gemacht, doch das alles schert mich nun nicht mehr. Mir ist ziemlich wurscht, ob ich hier „Hilfen“ gebe für Grammatikschwächlinge, ob ich mich anbiedere als Orthographievirtuose, ob ich so tue, als sei Duden mein ärgerlichster Freund. Das alles, siehe Harmonielehrer, kann mich mal.

Wenn ich helfen will, gehe ich in die Fußgängerzone und werfe Münzen in Becher von Starbucks. Wenn ich Ergebnisse sehen will, gabele ich zwischen Passau Nord, Mitte und Süd Flüchtlinge auf. Wenn ich ein gutes Gefühl brauche, lege ich mir Kräuter zwischen den Tabak. Mit anderen Worten: Die ursprüngliche Absicht, mit der ich vor Jahren diesen Blog begann, hat sich als trügerisch erwiesen.

Schreibblogs können andere besser als ich, viel besser.

Was aber können Sie, Herr Flörsch? Was wollen Sie? Panta rhei. Panda rhei • ©Johannes Flörsch

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mein Gott, Rupi! Einunddreißig Jahre nach dem Ereignis (über den Daumen gepeilt) bekommt die Kneipenszene noch eine künstlerische Überhöhung. Danke, danke, danke für den Hinweis! Das setzt doch gleich wieder die eine oder andere Assoziation in Gang!

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