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sowohl … als auch vs. weder … noch

Ein neuer Beitrag aus meiner Serie „Beliebte Fehler“. Heute geht es um die Frage: Wann heißt es sowohl … als auch, wann heißt es weder … noch?

Mit sowohl … als auch werden Dinge zueinander in Bezug gesetzt, die etwas gemeinsam haben: Sowohl Inge als auch Frieda feiern (seltener: feiert) Geburtstag. Sowohl Dortmund als auch Verfolger Bayern haben (seltener: hat) verloren. Sowohl SPD als auch CSU wollen auf Atomkraft verzichten. Mit sowohl … als auch wird positiv und vereinnahmend ausgedrückt, was durchaus auch einen negativen Inhalt besitzen kann (sie haben verloren). Wenn ein Satz mit sowohl beginnt und mit als auch fortgesetzt wird, rechnet der Leser mit einer positiven Aussage.

Mit einer anderen Formulierung wird die Negation beschrieben: Wenn also Inge und auch Frieda ihre Feier ausfallen lassen; wenn Bayern und Dortmund einen Sieg verschenkt haben und wenn CSU und SPD doch gegen Atomkraft sind, heißt es weder … noch. Durch das Wörtchen weder ist der Leser sofort in der Lage zu erkennen: Hier geht es um einen Ausschluss, hier geht es um eine Sache, die sich geändert hat, hier geht es um eine Unmöglichkeit.

Wenn also in einem Artikel steht: „Sowohl der ICE als auch EC, IC und D sind …“ bleibt der Leser bis zu diesem Punkt im Glauben, er erfahre nun etwas, was auf ICE, EC usw. zutrifft. Womit er nicht rechnet: zu erfahren, was nicht zutrifft! Deswegen überrascht und verunsichert ihn das nun folgende „… nicht für diesen Sondertarif vorgesehen.“

Für diesen Fall ist die Konstruktion weder … noch wesentlich besser geeignet: „Weder ICE noch EC, IC oder D sind für den Sondertarif vorgesehen.“ Zusätzlicher Vorzug dieser Konstruktion: Weil sie nicht doppelt verneint werden muss (weder … noch … nicht), ist sie kürzer. Kürzer heißt in aller Regel auch: leichter verständlich! Und wer wollte gegen die höhere Verständlichkeit etwas einwenden wollen?

Ein Weder zu Beginn eines Satzes macht unmissverständlich klar: Hier kommt eine Sache, die irgendwie mit einem Nein zu tun hat – zumindest in der inhaltlichen Bedeutung. Denn natürlich kann man ein positiv besetztes Wort wie gewinnen auch in die Weder-noch-Kombination klemmen: Weder Bayern noch Dortmund glauben an einen Sieg; Spargel wächst bei uns weder im Herbst noch im Winter; weder Singen noch Streicheln beruhigten das Kind.

Mehr Zweifelsfälle

In meinem Blog findest du noch mehr Beispiele zu Wörtern, die gerne verwechselt werden.

Mehr aus meiner Rubrik Was gerne einmal falsch gemacht wird.

Sowohl viel Spaß – als auch eine gute Zeit!

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