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Vom richtigen Satzbau

Wenn wir verstanden werden wollen, müssen wir uns verständlich ausdrücken, so einfach ist das. Was „verständlich“ ist, sehen die Menschen naturgemäß recht unterschiedlich, ein klug gewählter Satzbau (Syntax) kann helfen.

Satzbau fatal. Ein Beispiel aus dem Redaktionsalltag der Passauer Neuen Presse (PNP)

So steht’s geschrieben: „Ihren fünf Kindern hat Agnes Essl ihre Autobiografie gewidmet.“

Diese Aussage wäre an und für sich ein vollkommen unverdächtiger Satz – wenn, ja wenn wir zuvor etwas über die Kinder der Agnes Essl hätten lesen dürfen. Haben wir aber nicht! Mit diesem Satz startet ein Beitrag aus der PNP vom 23. März 2013. Die Redakteurin rempelt ihre Leser mit einem Dativobjekt an, wo Leser doch erst einmal wissen wollen, ja, wissen müssen, worum es im Artikel geht.

Der Satzbau (Syntax) ist nicht beliebig

Um zu verstehen, brauche ich als Leser Klarheit. Sage mir, liebe Redakteurin, wer was warum tut und wann. Die fünf W-Fragen (nach mancher Lesart sieben: wer, was, wann wo, wie/warum, welche Quelle) haben sich nicht umsonst im Laufe der Zeit als Gerüst eines Zeitungsartikels herausgebildet, das man noch immer jedem Neuling im Journalismus einbläut. Als erstes also die Mitteilung, wer etwas macht (Agnes Essl hat ihre Autobiografie Ihren fünf Kindern gewidmet). Da weiß ich als Leser sofort, woran ich bin.

Dass dieser Satz kein Ausrutscher ist, wird bei der weiteren Lektüre klar. Ich zitiere den ganzen ersten Absatz und schiebe zwischen jeden einzelnen Satz einen Absatz.

„Ihren fünf Kindern hat Agnes Essl ihre Autobiografie gewidmet.

Ihr Leben ist ein Weg zur Kunst.

Das private Leben der Kunstmäzenin, die mit ihrem Mann Karlheinz Essl 1999 als Höhepunkt ihres Sammlerlebens das Essl Museum in Klosterneuburg bei Wien errichtet hat, war und ist Agnes Essl genauso wichtig.

Ihr Buch ist ein Plädoyer für Familie und Selbstverwirklichung.“

Der Abstand zwischen den Sätzen ist natürlich Absicht; so wird seine Banalität offensichtlich und das Scheitern der eigentlichen Aufgabe dieser Redakteurin: lesenswert zu schreiben, anschaulich und verständlich. Gefällig, nennt das Wolf Schneider.

Von den vier Sätzen beginnt sie drei mit dem Possesivpronomen, dem besitzanzeigenden Fürwort „ihr“. In zwei aufeinanderfolgenden Sätzen taucht zu Beginn das Substantiv „Leben“ auf. Und schließlich ist der in einem ausufernden Relativsatz versteckte Hauptsatz an Dürftigkeit kaum zu überbieten – missverständlich ist er obendrein!

Der Hauptsatz lautet: „Das private Leben der Kunstmäzenin … war und ist Agnes Essl genauso wichtig.“ Es stellt sich die Frage, ob hier von zwei Personen die Rede ist, von einer Kunstmäzenin und einer Agnes Essl?

Was mich an der PNP (auch) ärgert

Der Artikel der Redakteurin erschien unter dem Titel „Familie, bauMAX und das Lebenselexier Kunst“.

Aufzählungen in Headlines (in Überschriften) bedeuten in der Mehrzahl die Warnung, diesen Artikel weiträumig zu umfahren: Als Leser gerät man hier auf eine holprige Strecke. Dass aber einer Redakteurin des Feuilletons das Wort Elixier fremd ist, hat mich dann doch überrascht.

Viel Spaß – und eine gute Zeit!

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