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Schätzt mir den Plural nicht gering

Dass RTL, der Sender für altgewordene Kinder, mit historischen Vorlagen respektvoll umgehe oder angemessen, davon hat man bisher wenig gehört oder gelesen. Ich zumindest nicht. Liegt aber vielleicht auch daran, weil ich normalerweise über RTL selten etwas lese bzw. weil’s mich nur selten und dann auch nur mäßig interessiert, was die so treiben.

Morgen nun, am 4. Dezember 2014, sendet RTL seine Version von Goethes Klassiker „Götz von Berlichingen“. Christian Buß von Spiegel online (SPON) bekam vorab zu sehen, worauf wir Bildungsbürger bis morgen warten müssen. Er hat darüber geschrieben.

SPON und der Dünkel

Mein Problem mit SPON ist seine (oder ihre) tendenziell überhebliche und oft genug zynische Haltung; dort scheint man einfach immer besser zu wissen, was gut ist. Und es drängt sich nach einem gerüttelt Maß an Lektüre von SPON-Artikeln der Eindruck auf, dass gut nur das ist, was auf SPON erscheint. Mittlerweile hat in mir das Gefühl Platz genommen, dass SPON sich als Maßstab dünkt für Qualität; dass SPON Richter sein will über Schrott und Schund und Diamanten; dass hier oft genug der Stab gebrochen wird über Produkte, die etwas anderes wollen, als SPON wähnt. Ich kann mir nämlich einfach nicht vorstellen, dass die Macher von RTL (Gott schenke ihnen ein langes Leben) so doof sind, dass sie nicht wüssten, wie blöde manches ihrer Produkte ist.

Das war nun leider ein langer Anlauf, und ich danke dir, falls du bis hierher durchgehalten hast. Lass mich nun noch rasch zu meinem eigentlichen Anliegen kommen.

Wie du weißt, schreibe ich hier über Stil und Grammatik, über Gelungenes und Missratenes, über Entgleistes und Zwerchfellerschütterndes rund um die deutsche Sprache. Und ich habe mich da mittlerweile selbst zu einer Art Richter aufgeschwungen, obwohl das überhaupt nicht meine Absicht ist und ich mich in dieser Rolle auch gar nicht so wohl fühle. Einmal, weil ich mich selbst angreifbar mache, zum andern, weil die Dinge rund um Grammatik und Schreibstil so furchtbar weltbewegend nun auch wieder nicht sind.

Aber es ist nun mal mein täglich Brot, und dieser Blog kostet nix. Ist also fast so etwas wie ein Ehrenamt, das ich hier betreibe, von dem ich hoffe, dass manchmal etwas hängen bleibt bei den Lesern, den Autoren, den Journalisten und den ansonsten Geneigten.

Ach, und wieder bin ich dabei, mich zu verzetteln. Deshalb jetzt und endlich und ohne viel Getöse:

„In dem Intrigenspiel um den Kaiserthron von Karl V. (Buch: Christian Schnalke, Regie: Carlo Rola) wird Gier und Niedertracht, Größe und Kampfgeist in körperlichster Form transportiert.“

 

Das also schreibt der Buß. Und er schreibt, du wirst es längst bemerkt haben: Mist. Zumindest ist das grammatikalisch falsch, geschieht aber oft und ganz leicht unterm Schreiben: dass wir Schreibenden Singular („wird … transportiert“) verwechseln mit Plural („werden transportiert“).

Und den Plural hätte der Herr Kultur-Redakteur des SPON hier wählen müssen, denn Gier und Niedertracht, Größe und Kampfgeist sind wie Äpfel und Birnen: Die wird nicht transportiert, nein, Äpfel und Birnen werden transportiert.

Auf meiner persönlichen Skala der Bewertung von 0 bis 10 rangiert der falsche Kasus auf Platz 4. Buß erhält von mir noch den Profi-Malus, er rutscht dadurch ab auf Platz 7. Falls du eine volle 10 sehen willst, klickst du bitte auf meinen Beitrag über den Artikel einer Kollegin von Buß. Die frühere Leiterin des Feuilletons der PNP hatte Probleme mit einem Fremdwort, das ihr als gebildeter Frau, immerhin ist sie Frau Dr., eigentlich nicht fremd sein dürfte.

Da bin ich dann ganz wieder in meinem Elixier.

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