„Kfz-Steuer wird für alle Fahrzeuge und Anhänger erhoben, die nicht an eine Schiene gebundenen sind.“

Mal ehrlich: Haben Sie den Fehler entdeckt? Ich wette, dass nein! Und wissen Sie was? Da befinden Sie sich in bester Gesellschaft: Selbst Dudens Rechtschreibkorrektur hat ihn übersehen. Und nun?

Drei Einwände gegen Dudens Rechtschreibprüfung

Menschen machen Fehler. Sonst wäre die Rechtschreibprüfung von Duden perfekt programmiert worden. Auch ich mache Fehler. Aber ich weiß, dass ich Fehler begehen kann. Wenn Sie mir also einen Text zur Korrektur anvertrauen, sitzt mit dem Korrektor immer auch noch der Kontrolleur am Schreibtisch und sagt: „Lies ein zweites Mal!“ Ich darf wohl vermuten, dass das niemand macht, nachdem er seine Texte durch die Rechtschreibprüfung von Duden gejagt hat. Wozu auch? Was soll ein Programm beim zweiten ‚Lesen‘ finden?

Zweitens. Ich korrigiere unter anderem Texte für Mediziner und Rechtsanwälte. Was, wenn auf einmal der Name Meier auftaucht in einem Gutachten, in welchem es um den Patienten bzw. Klienten Müller geht? Vielleicht hat sich Herr Doktor versprochen beim Diktat, vielleicht war Frau Rechtsanwältin abgelenkt durch ein Telefonat? Eines ist sicher: Wer sich jetzt darauf verlässt, dass Dudens Rechtschreibprüfung den Fehler rausfischt, der irrt. Weswegen ich Dudens Rechtschreibprüfung nie ausschließlich verwenden würde.

Drittens. Dudens Rechtschreibprüfung hat keine Ahnung davon, was einen Text leichter lesbar macht und somit verständlicher. Ein Beispiel aus der aktuellen Wochenendausgabe der Passauer Neuen Presse, gefunden nach, ganz ehrlich, maximal einer Minute Suche:

„Baumann hat nun zusammen mit dem Vorsitzenden des Verbandes der Volkshochschulen e.V., dem Rotthalmünsterer Bürgermeister Franz Schönmoser, …“ Was Baumann getan hat (es ist mager genug), erfährt der Leser erst 41 Silben später. Für Duden wäre alles in Ordnung. Und für den Leser?

So macht man’s besser

Der Leser weiß aus dem Absatz zuvor, wer Baumann ist. Nun bekommt er einen zweiten Namen serviert samt Titel und Funktion – eine Last für die Aufmerksamkeitsspanne; denn er muss in Erinnerung behalten, dass Baumann irgendetwas getan hat, bevor er (der Leser) ans rettende Ufer gelangt nach 18 Wörtern, nach 41 Silben! Dabei wäre es so einfach: „Baumann hat einen offenen Brief verfasst zusammen mit …“ Und es folgen Amt und Würden in dem Bewusstsein, was getan worden ist. So schreibt man, damit’s klar wird und verständlich.

Weswegen ich niemals, wiederholt sei‘s gesagt, Dudens Rechtschreibprüfung ausschließlich verwenden würde. Und in meiner Arbeit auch nicht verwende.

Viel Spaß – und eine gute Zeit!

6 Kommentare

  1. Zur Korrektur gehört auch, danach zu schauen, ob alle Zeichen korrekt sind. Hier sind nicht alle Zeichen korrekt.

    Schöne Grüße
    Lyriost

  2. Hallo, Lyriost!

    Danke für deine Anmerkung. Ich habe den Artikel jetzt nur überflogen, bin aber immer noch ratlos. Und so denke ich: Zum „Kommentieren“ gehört auch der Hinweis, was genau im Argen liegt. Magst du mir helfen?

    Darauf freut sich

    johannes flörsch

  3. Lieber Johannes, „überfliegen“ reicht beim Korrekturlesen normalerweise nicht.
    Der Apostroph ist kein einfaches Abführungszeichen. 😉

    PS: Ich würde niemals eine automatische Rechtschreibungsüberprüfung benutzen, nicht nur nicht ausschließlich.

    Gruß

  4. Whow! Da hat aber jemand Adleraugen – oder ist’s vielleicht nur ein speziell geschulter Blick für’n Apostroph? Mit deinem Einverständnis lasse ich den falschen Apostroph im Text stehen, damit die Unterhaltung zwischen uns nachverfolgt werden kann. Herzlichen Dank für die Aufklärung!

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